10.02.2016

von Tourismusverband Ostbayern B° RB

Der Wald, in dem der Wolf tanzt

Waldwildnis und wilde Tiere im Nationalpark Bayerischer Wald sorgen für Ruhe - oder auch das eine oder andere Abenteuer

Bayerischer Wald

"Hauptsache wild" könnte das Motto im Nationalpark Bayerischer Wald, einem der größten Waldschutzgebiete Mitteleuropas, lauten. Denn im ältesten Nationalpark Deutschlands, wo sich Wälder, Moore und Bäche auf einer so großen Fläche wie nirgendwo sonst zwischen Atlantik und Ural nach ihren ureigenen Gesetzen entwickeln dürfen, geht es wild zu. Besucher erleben hier wilden Wald und wilde Tiere. Sie entdecken auf 243 Quadratkilometern unberührte Urwälder, den größten Baumwipfelpfad der Welt – und im weitläufigen Freigelände heimische Tiere wie Wolf, Luchs oder Wisent, denen man in freier Wildbahn kaum mehr begegnet.

Die Kraft der Natur: Im Nationalpark spürt man sie

"Natur Natur sein lassen" heißt das Motto im Nationalpark Bayerischer Wald seit mehr als 40 Jahren. Hier, zwischen Lusen, Rachel und Falkenstein, entscheidet nur die Natur, wie sie sich entwickelt. Die Bäume wachsen nicht so, wie der Mensch es will oder wie man es von forstwirtschaftlich genutzten Wälern kennt. Sie schlagen ihre Wurzeln dort, wo es ihnen passt, mal dicht nebeneinander, mal etliche Meter voneinander entfernt. Mal bilden die Tannen, Buchen und Fichten in den Hochlagen an den Kämmen oder die Aufichtenwälder in den Tälern eine fast undurchdringliche grüne Waldwildnis. Mal sieht man wüst-karge Windwurfflächen, die nach Gewitterstürmen oder Borkenkäferbefall sich selbst überlassen wurden. Hinter jeder Wegbiegung erlebt man die Natur neu. Anders. Überraschend. Vielseitig. Naturliebhaber entdecken hier die feinen, rosa-violetten Blüten seltener Pflanzen wie Weidenröschen und Soldanelle, aber auch den grau-braunen Zunderschwamm an den Stämmen mancher Buchen oder Birken. Wer genau hinschaut, merkt, wie nah neues Leben und Vergänglichkeit in der Natur beieinander sind. Bei einer Wanderung sieht man junge Bäume, die sich ihren Platz im Wald erkämpfen, aber auch morsche, abgestorbene Baumstümpfe. Der Nationalpark ist ein Paradies, in dem man die Kraft der Natur so stark spürt wie in keinem Wald, in dem der Mensch seine Hände im Spiel hat - aber kein grünes Waldmeer, keine heile Welt, in der alles prächtig gedeiht, weil der Mensch eben nicht eingreift. Hunderttausende Besucher lassen sich jedes Jahr faszinieren von der Waldwildnis und ihrer ganz eigenen Dynamik. Sie genießen den Blick von Waldwoge zu Waldwoge, die Aussicht auf den Bayerischen Wald und den Böhmerwald, die Ruhe in der Natur, weit weg von der Dauerbeschallung des Alltags. Zusammen bilden der Nationalpark Bayerischer Wald und sein tschechischer, 681 Quadratkilometer großer, Nachbar Šumava das größte zusammenhängende Waldgebiet in Mitteleuropa. Das Wegenetz mit 500 Kilometern Wanderstrecke im Nationalpark Bayerischer Wald und mit 890 Kilometern in der Šumava bietet jede Menge Gelegenheit, sich zu erden. Denn wer hier unterwegs ist, senkt sein Stresslevel von selbst. Mit jedem Schritt ist man tiefer drin in der Ursprünglichkeit, weiter weg von der Hektik der Zivilisation, näher dran an sich selbst. Man lässt sich von der Waldwildnis praktisch im Vorbeigehen seine eigenen Akkus aufladen und findet zu innerer Ruhe, ganz von allein.

Wald-Erlebnis in luftiger Höhe: Dafür sorgt der größte Baumwipfelpfad der Welt

Fast aus der Vogelperspektive erlebt man den Nationalpark von einer seiner bekanntesten Einrichtungen aus: Hoch hinauf geht es nämlich auf dem 1300 Meter langen und größten Baumwipfelpfad der Welt. Hier spazieren die Naturliebhaber acht bis 25 Meter über dem Waldboden auf einer Holzkonstruktion, die behutsam in den heimischen Bergwald integriert wurden. Die Stege sind auch für Eltern mit Kindern im Kinderwagen und Rollstuhlfahrer geeignet, sie führen bis zur Plattform des Aussichtsturms. Aus 44 Metern genießen die Besucher hier die Rundumsicht: auf die Waldwildnis, aber auch auf die Kulturlandschaft des Bayerischen Waldes.

In den Einrichtungen des Nationalparks erfahren die Besucher dann mehr über den wilden Wald und seine Bewohner. Erste Anlaufstelle sind die Besucherzentren: Im „Hans-Eisenmann-Haus“ im Nationalparkzentrum Lusen und im „Haus zur Wildnis“ im Nationalparkzentrum Falkenstein gibt es jede Menge Informationen für Einheimische und Urlaubsgäste: Dauerausstellungen, in denen beispielsweise die „Geschichte von Wald und Menschen“ erläutert wird, Kinos mit Filmen zum Nationalpark, den Kinderfilm „Flotterlu“, Hörstationen mit dem kleinen Schmetterling, eine Ausstellungsrallye oder einen kleinen Natur-Klettergarten für die Jüngsten, ein Café, den Nationalparkladen und vieles mehr. Hier gibt´s vielleicht auch das passende Mitbringsel für die Lieben daheim: einen Plüsch-Luchs. Seit kurzem ist der Luchs in freier Wildbahn wieder in den Wäldern unterwegs, wie Fotofallen und Pfotenabdrücke beweisen. Der Luchs ist so scheu, dass man ihn kaum zu Gesicht bekommt. Er ist aber auch das Symboltier des Nationalparks und im Tierfreigelände ganz in echt zu bewundern. Eine Tour durch das 200 Hektar große Tierfreigelände, das im Winter wie im Sommer geöffnet ist, ist ein besonderes Erlebnis im Naturwald. In den weitläufigen Landschaftsgehegen und Volieren sind Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, die im Bergwald daheim, in freier Natur aber kaum zu sehen sind, aber auch Arten, die heute selten geworden oder längst ausgerottet sind. Luchse schleichen hier auf Samtpfoten durch das weitläufige Gelände. Urrinder und Wildpferde grasen auf den Wiesen. Elche und Wisents streifen ebenso umher wie Braunbären und Wildschweinrotten, sogar ein Wolfsrudel lebt im Nationalpark. Es lohnt sich, ein Fernglas einzupacken. Dann kann man von den sieben Kilometer langen Rundwegen aus vielleicht auch dämmerungsaktive Tiere wie die Eule, kleine Greif- und Stelzvögel und das seltene Auerhuhn entdecken oder Marder, Biber oder Fischotter beobachten. Die Natur ist für alle da – und soll für alle zugänglich sein. Das ist dem Team des Nationalparks sehr wichtig. Die Rundwege im Tierfreigelände sind deshalb barrierefrei angelegt, genau wie die meisten anderen Einrichtungen des Nationalparks, soweit es in der freien Natur möglich ist.

Nachhaltiger Urlaub: Hier gehen Tourismus und unberührte Natur zusammen

Mehr über 700 Pflanzenarten, die typisch sind für die Region, lernen die Besucher im Nationalparkzentrum Lusen kennen: Sie wachsen im Naturgarten vor dem „Hans-Eisenmann-Haus“ auf einer kleinen Anhöhe. Die Pflanzenarten sind hier beschildert. Wer mag, erfährt, welche Blütenpflanzen, Gräser oder Farne er unterwegs auf der Wanderung gesehen hat. Gedanklich zurück in die Vergangenheit reist man beim Nationalparkzentrum Falkenstein in der Steinzeithöhle, in der Schautafeln, Filme und 3D-Animationen zeigen, wie sich Klima, Landschaft und Tiere im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Urlaub im Nationalpark steht für nachhaltigen Urlaub. Dafür machen sich auch die Nationalpark-Partner Bayerischer Wald stark. Sie zeigen, dass es möglich ist, Tourismus und Natur zusammenzubringen. Gastgeber, Touristiker, Erlebnisanbieter und weitere Partner geben ihre Begeisterung und ihr Wissen über den Nationalpark an die Besucher weiter. Sie setzen beispielsweise auf Angebote wie das Gästesevice-Umwelt-Ticket „GUTi“ oder dem VLC-Ticket, mit dem Urlauber kostenlos mit Bus und Bahn fahren, Erdgasbusse oder ökologisch orientierte Nationalpark-Partner-Hotels. Für tierisch wilde Wald-Erlebnisse – und Umweltbegeisterung, die noch wirkt, wenn der Urlaub längst vorbei ist.

Passend zum Thema

Urwälder, Fjorde, Schluchten: Montenegro bietet eine imposante Natur

Frankfurter Buchmesse: Die Bayerische Schlösserverwaltung erhält den Virenschleuderpreis der Kategorie "Ansteckendste Kampagne" für den Tweetwalk "#Lustwandeln - Auf den Spuren Englischer Landschaftsgärten" durch den Schlosspark Nymphenburg

Urlaub im Grünen – Deutsche Eltern schlagen gern ihre Zelte auf

Mehr aus der Rubrik

Neue Runde, Sonnenaufgangswanderungen, barrierefreie Touren

Teilen: